Back to School
- Martina Ganser

- 3. Jan.
- 2 Min. Lesezeit

Warum Kinder nach Ferien oft mehr Zeit brauchen – und was Bildschirmzeiten damit zu tun haben
Nach Ferien oder längeren freien Phasen berichten viele Eltern und Pädagog:innen von ähnlichen Beobachtungen: Kinder sind schneller gereizt, unruhiger, weniger belastbar oder haben Schwierigkeiten, wieder in den Alltag zu finden.
Diese Veränderungen tauchen nicht nur nach den Sommerferien auf, sondern nach jeder längeren Unterbrechung – egal ob Herbst-, Weihnachts- oder Semesterferien.
Der Grund liegt selten im „Nicht-Wollen“ des Kindes. Viel häufiger reagiert das Nervensystem auf einen Wechsel, der unterschätzt wird.
Ferien verändern den inneren Rhythmus
Ferien bringen meist:
weniger feste Strukturen
andere Schlaf- und Essenszeiten
mehr spontane Entscheidungen
häufig auch mehr Bildschirmzeit
Diese Veränderungen sind an sich nicht problematisch. Das kindliche Gehirn passt sich flexibel an – genau dafür ist es gemacht.
Schwierig wird es dann, wenn der Übergang zurück in einen strukturierten Alltag sehr schnell erfolgt.
Bildschirmzeiten und das kindliche Belohnungssystem

Digitale Medien liefern:
schnelle Bildwechsel
intensive Farben
sofortige Belohnung
kaum Wartezeit
Dabei wird vermehrt Dopamin ausgeschüttet – ein Botenstoff, der Motivation und Freude steuert.
Nach Phasen mit vielen dieser schnellen Reize kann es passieren, dass:
ruhige Tätigkeiten als „langweilig“ erlebt werden
Frustration schneller entsteht
Kinder ungeduldig oder emotional reagieren
der Wunsch nach dem nächsten Reiz steigt
Das ist kein Fehlverhalten, sondern eine neurobiologische Reaktion.
Warum der Alltag plötzlich schwerfällt
Zurück im Alltag wird von Kindern wieder erwartet:
sich anzupassen
Regeln einzuhalten
Bedürfnisse zurückzustellen
ruhig zu bleiben
sich länger zu konzentrieren
Wenn das Nervensystem noch im „Schnell-Modus“ ist, wirkt dieser Anspruch schnell überfordernd.
Kinder zeigen das nicht mit Worten, sondern mit Verhalten.
Das Gehirn ist nicht schwierig – es erinnert sich

Das Gehirn merkt sich, was sich gut angefühlt hat. Wenn schnelle Reize über längere Zeit verfügbar waren, erwartet es diese auch weiterhin.
Das bedeutet nicht, dass Kinder „abhängig“ sind oder manipulieren –sondern dass ihr System noch nicht wieder im Gleichgewicht ist.
Was Kinder nach Ferien wirklich brauchen
Nicht Strenge, nicht Druck und keine abrupten Verbote helfen am meisten, sondern:
klare, vorhersehbare Strukturen
sanfte Übergänge zurück in den Alltag
Bewegung und körperlichen Ausgleich
kreative Tätigkeiten ohne Leistungsdruck
bewusste Pausen ohne Reizüberflutung
Regulation entsteht durch Beziehung – nicht durch Kontrolle.
Back to School heißt: Zeit zum Ankommen
„Back to School“ bedeutet nicht, dass Kinder sofort wieder funktionieren müssen. Es bedeutet, ihnen Zeit zu geben, sich neu einzupendeln – emotional, körperlich und mental.
Je besser dieser Übergang begleitet wird, desto stabiler wird der Alltag danach.
Wenn Kinder nach Ferien „auffällig“ wirken, ist das kein Rückschritt, sondern ein Zeichen dafür, dass ihr Nervensystem noch umstellt.
Verhalten ist kein Problem –es ist eine Botschaft.








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